Fahrradtour Skandinavien 1998
 von Helmut Vogler, E-Mail:  hvogler@inode.at

 
 

Route & Facts:

Die Dauer der Tour ist mit fünf Wochen veranschlagt und führt drei Wochen lang durch Norwegen, zwei Wochen durch Finnland und einen Tag nach Schweden. Die Anreise über Oslo/Fornebu und Abreise über Stockholm/Arlanda erfolgt per Flugzeug. RoutenplanAls primäres Fortbewegungsmittel kommt das Fahrrad zum Einsatz. Einige Teilstücke werden aber auch per Zug und Schiff zurückgelegt. Der Reisetermin ist mit Juli festgelegt, da in diesem Monat das Wetter am stabilsten und wärmsten ist. Da der Juli in Norwegen als Hauptreisezeit gilt, kann sich die Quartiersuche mancherorts als schwierig erweisen. Die Nächte werden zu etwa je fünfzig Prozent im Zelt und in Hütten (teilweise auch Hotels) verbracht. Abgesehen von Reisegefährten die mir unterwegs begegnen, nehme ich die Tour alleine in Angriff. Die Straßen sind im Allgemeinen in ausgezeichnetem Zustand. Ein Mountainbike ist nicht nur übertrieben, sondern hier wahrscheinlich auch Fehl am Platz. Ein gewisses Maß an Grundkondition ist aber sicher erforderlich, da nicht nur in Norwegen, sondern auch im vermeintlich flachen Finnland, zahlreiche Anstiege bewältigt werden müssen. Bei der Auswahl der Reisebekleidung sollte man keine Kompromisse eingehen. Ins Gepäck gehört alles, angefangen von T-Shirts und kurzen Hosen, bis zum warmen Pulli und Jacke. Speziell der Mangel an warmer Kleidung kann auf Fährfahrten den Aufenthalt an Deck unerträglich machen. Die hohe Dichte an Campingplätzen und Supermärkten, auch im dünn besiedelten Norden, macht eine vorherige Routenplanung beinahe überflüssig. Je nach Wind und Wetter sollte man jeweils nur einige Tage im Voraus planen. Speziell in Norwegen ist das Preisniveau extrem hoch. In der Regel muß mit bis zu fünfzig Prozent höheren Preisen als in Mitteleuropa gerechnet werden. In Restaurants kann dieser Faktor noch höher liegen. Anders als in Norwegen entsprechen die Preise in Finnland weitestgehend jenen in Deutschland und Österreich.
 
 

Fahrrad & Ausrüstung:

Als Fahrrad kommt ein handelsübliches Modell (MARIN Redwoods) zum Einsatz. Das Rad ist mit Alurahmen und STX/RC Komponenten ausgestattet. Als Sattel verwende ich einen auf den ersten Blick sehr hart wirkenden Rennradsattel aus Leder. Auf lange Sicht ist so ein Sattel aber wesentlich bequemer, als ein stark gepolstertes und breites Modell. Die Laufräder sind mit zwei Goliath Semislick von Continental bestückt. Neben dem hinteren Gepäckträger ist vorne ein Lowrider der Marke Blackburn montiert. Der Fahrradcomputer Cateye AT-100 kann nicht nur zur Geschwindigkeitsmessung eingesetzt werden, sondern verfügt auch über ein Thermometer und einen Höhenmesser. Die Fahrradbeleuchtung wird von zwei batteriebetriebenen Lampen übernommen. Trotz ununterbrochener Helligkeit ist wegen der zahlreichen Tunnels eine gute Beleuchtung empfehlenswert. Für den Wassertransport verwende ich zwei große Alutrinkflaschen mit je 750 ml Volumen. Sehr zu empfehlen sind auch SPD-Klickpedale. Dieses System garantiert einen guten Kontakt zum Pedal ohne beim Gehen hinderlich zu sein. Zum Verstauen der knapp dreißig Kilogramm Gepäck werden Packtaschen aus dem Hause Ortlieb eingesetzt. An Werkzeug habe ich nur das Nötigste mit. Neben drei Ersatzschläuchen finde ich mit einigen Schrauben- und Inbusschlüssel, einem Leatherman, sowie etwas Kettenöl das auslangen. All das bleibt jedoch unbenutzt, da während der gesamten Tour keine einzige Panne auftritt. Auf die Mitnahme von Ersatzspeichen habe ich bewußt verzichtet, da Speichenbrüche bei gut eingespeichten Laufrädern nur sehr selten vorkommen. Ein wichtiges Ausrüstungsteil ist sicher auch ein gutes Fahrradschloß. In dünn besiedelten Gegenden ist die Wahrscheinlichkeit eines Diebstahls eher gering. In größeren Städten sollte das Rad im eigenen Interesse aber immer abgesperrt werden.

Neben einem Radtrikot oder T-Shirt ist eine Radhose mit gutem Einsatz auf jeden Fall zu empfehlen. Eine Radhose mit langen Beinen erweist sich als überflüssig, da ich auch bei kalter und nasser Witterung ohne Probleme mit der kurzen Radhose unterwegs bin. Die Radjacke aus Goretex erweist sich als sehr praktisch, da sie auch bei trockenem Wetter sehr angenehm zu tragen ist. Neben dem Zelt befinden sich noch ein Schlafsack und eine Therm-A-Rest Matte im Gepäck. Ein kleines Pocket-Radio und einige Bücher zählen zu den wenigen "Luxusgegenständen" auf dieser Tour. In Norwegen sorgt die fünfteilige Cappelen Karte im Maßstab 1:325.000, bzw. 1:400.000 für die nötige Orientierung. In Finnland finde ich mit einer Straßenkarte im Maßstab 1:800.000 von Freytag & Berndt das Auslangen.
 
 

Alles auf einem Blick:
 
 

Regen
Schauer
Bedeckt
Wolkig
Heiter
Gewitter
Regen
Schauer
Bedeckt
Wolkig
Heiter
Gewitter
Datum Wichtige Orte
Wetter
Morgen - Mittag - Abend
Kilometer
Höhenmeter
Durchschnitt
29.06.1998 Mo Wien, Oslo
BedecktBedecktWolkig
0 km
0 m
0 km/h
30.06.1998 Di Oslo, Gjøvik
BedecktSchauerWolkig
135 km
1.411 m
18,4 km/h
01.07.1998 Mi Gjøvik, Lillehammer
BedecktSchauerWolkig
51 km
528 m
17,5 km/h
02.07.1998 Do Lillehammer, Trondheim, Malm
HeiterBedecktSchauer
96 km
1.257 m
18,1 km/h
03.07.1998 Fr Malm, Namsos, Grong
BedecktBedecktWolkig
145 km
1.317 m
19,1 km/h
04.07.1998 Sa Grong, Bodø, Moskenes, Å
WolkigHeiterHeiter
15 km
130 m
18,5 km/h
05.07.1998 So Å, Reine, Leknes, Lyngvær
HeiterWolkigHeiter
118 km
1.331 m
18,5 km/h
06.07.1998 Mo Lyngvær, Svolvær, Melbu, Sortland
HeiterHeiterHeiter
101 km
830 m
20,6 km/h
07.07.1998 Di Sortland, Andenes
HeiterHeiterWolkig
107 km
550 m
19,4 km/h
08.07.1998 Mi Andenes (Walsafari)
BedecktSchauerBedeckt
0 km
0 m
0 km/h
09.07.1998 Do Andenes, Gryllefjord, Finnsnes
WolkigHeiterWolkig
89 km
1.023 m
19,4 km/h
10.07.1998 Fr Finnsnes, Tromsø, Hammerfest
RegenSchauerBedeckt
9 km
58 m
16,5 km/h
11.07.1998 Sa Hammerfest
BedecktBedecktWolkig
0 km
0 m
0 km/h
12.07.1998 So Hammerfest
HeiterHeiterHeiter
0 km
0 m
0 km/h
13.07.1998 Mo Hammerfest, Kvalsund, Russenes
HeiterWolkigHeiter
82 km
930 m
15,8 km/h
14.07.1998 Di Russenes, Kåfjord, Honningsvåg
HeiterHeiterHeiter
83 km
944 m
14,6 km/h
15.07.1998 Mi Honnigsvåg, Nordkapp, Honnigsvåg
HeiterHeiterHeiter
54 km
1.314 m
17,7 km/h
16.07.1998 Do Honnigsvåg, Russenes
HeiterWolkigHeiter
84 km
915 m
18,9 km/h
17.07.1998 Fr Russenes, Lakselv, Skoganvarre
HeiterBedecktWolkig
95 km
751 m
17,9 km/h
18.07.1998 Sa Skoganvarre, Karasjok
WolkigBedecktBedeckt
50 km
497 m
18,5 km/h
19.07.1998 So Karasjok, Karigasniemi, Inari
WolkigBedecktRegen
124 km
962 m
19,1 km/h
20.07.1998 Mo Inari, Ivalo, Vuotso
SchauerWolkigWolkig
112 km
920 m
18,6 km/h
21.07.1998 Di Vuotso, Sodankylä
WolkigHeiter
92 km
278 m
22,2 km/h
22.07.1998 Mi Sodankylä, Rovaniemi
BedecktHeiterHeiter
141 km
680 m
25,2 km/h
23.07.1998 Do Rovaniemi, Tampere
HeiterBedecktWolkig
11 km
95 m
15,1 km/h
24.07.1998 Fr Tampere, Valkeakoski
WolkigHeiterWolkig
71 km
500 m
18,6 km/h
25.07.1998 Sa Valkeakoski, Forssa, Tammela
WolkigBedecktBedeckt
98 km
580 m
19,6 km/h
26.07.1998 So Tammela
RegenSchauerBedeckt
0 km
0 m
0 km/h
27.07.1998 Mo Tammela, Forssa, Turku
SchauerRegenSchauer
104 km
479 m
18,5 km/h
28.07.1998 Di Turku, Helsinki, Turku
BedecktWolkigWolkig
0 km
0 m
0 km/h
29.07.1998 Mi Turku
BedecktRegenSchauer
0 km
0 m
0 km/h
30.07.1998 Do Turku
BedecktWolkigSchauer
22 km
129 m
13,1 km/h
31.07.1998 Fr Stockholm, Arlanda
RegenWolkigHeiter
15 km
147 m
14,3 km/h
G  e  s  a  m  t -
-
2.104 km
18.556 m
19,0 km/h

 
 

Montag, 29. Juni 1998:

Flughafen Wien/Schwechat. Am späten Vormittag geht es los. Hier in Wien ist es sonnig und heiß. Laut CNN-Wetterbericht soll in Oslo in den nächsten Tagen mit Regen zu rechnen sein. Mit etwas gedämpften Erwartungen verlasse ich also die heimischen Gefilde. Zwanzig Minuten verspätet hebt das Flugzeug dann in Richtung Oslo ab. Nach einem kurzen Zwischenstop in Göteborg erreichen wir nach zirka drei Stunden den Flughafen Oslo/Fornebu. Zu meiner positiven Überraschung gibt sich das Wetter hier aber recht freundlich. Von Regen keine Spur. Häufig scheint sogar die Sonne vom bewölkten Himmel. Gleich nach der Ankunft werden meine Befürchtungen bestätigt - in dem ziemlich kleinen Flugzeug war kein Platz mehr für mein Fahrrad gewesen. Wie man mir mitteilt, sollte das Rad dann mit der nächsten Maschine, die irgendwann nach Mitternacht eintreffen würde, nachgeschickt werden. Also geht es zunächst einmal, vollgepackt mit dreißig Kilogramm Gepäck, zum Busterminal. Die Busanbindung ins Zentrum von Oslo funktioniert sehr gut und dauert zirka fünfzehn Minuten. Nach einigen erfolglosen Versuchen, ein freies Hotelzimmer zu finden, suche ich schließlich die Information am Hauptbahnhof auf. Dort werde ich dann auch rasch fündig. Einen knappen Kilometer vom Bahnhof entfernt, bekomme ich ein gemütliches und auch preiswertes Zimmer in einer Art Jugendherberge (Albertine Hostel) vermittelt. Obwohl die Distanz dorthin relativ kurz ist, nehme ich wegen des üppigen Gepäcks ein Taxi. Wer sich in Oslo den Luxus eines Taxis leistet, sollte aber über starke Nerven verfügen. So, wie die Taxis dort unterwegs sind (zumindest meines), fährt dann auch schon die Angst mit. Also wie der sich zwischen zwei fahrenden (!) Bussen durchzwängt. Irgendwie hat es dann aber auch was Gutes, daß das Rad erst mit etwas Verspätung nachkommt. So bleibt mehr Zeit, um sich Oslo in Ruhe ansehen zu können. Bei tollem Wetter breche ich am frühen Abend zu einem ausgiebigen Stadtrundgang auf. Nach etwa vier Kilometern Fußmarsch, oder einer knappen Stunde, erreicht man den Frogner-Park, bzw. Vigeland-Park. Dieser prächtige Park sollte auf keinem Oslo-Rundgang ausgelassen werden. Im Vigeland-Park, der ein Teil des Frogner-Parks ist, können zahllose Steinskulpturen bewundert werden. Einen Besuch wäre auch sicher die Skisprunganlage Holmenkollen wert gewesen; doch dafür reicht an diesem Tag die Zeit dann aber nicht mehr aus. Vorbei am Parlament und am Königsschloß geht es zurück. Obwohl Oslo relativ weit im Süden liegt, setzt die Dämmerung erst nach 22:30 Uhr ein.

Blick über den Vigeland-Park Steinskulpturen im Vigeland-Park
Links: Blick über den Vigeland-Park (Teil des Frogner-Park) in Oslo
Rechts: Steinskulpturen im Vigeland-Park
Königsschloß in Oslo 
Oben: Königsschloß in Oslo
 

 

Dienstag, 30. Juni 1998:

Heute gilt es zunächst einmal, das Fahrrad vom Flughafen abzuholen. Mit dem Bus geht es also wieder in Richtung Flughafen Fornebu. Ohne größere Probleme kann ich dort dann auch mein Fahrrad entgegen nehmen. Erleichtert stelle ich bei der Entgegennahme des Rades fest, daß es den Flug unbeschadet überstanden hat. Und das, obwohl es unverpackt auf die Reise geschickt wurde. Da die Straßenverbindung vom Flughafen ins Zentrum ziemlich kompliziert aussieht, wird für die Rückfahrt dann auch wieder der Bus verwendet. Der Radtransport im Bus ist problemlos und kostet auch keinen Aufpreis. Nun gilt es erstmals, das Fahrrad reisefertig zu machen. Insgesamt sind zwei Taschen an den Lowridern (vorderer Gepäckträger), drei Taschen am hinteren Gepäckträger und eine Lenkertasche zu montieren. Dank des ausgeklügelten Verschlußmechanismus meiner Ortlieb-Taschen ist dies aber mit wenigen Handgriffen erledigt und dauert kaum mehr als eine Minute. Nachdem das Gepäck auf dem Rad verstaut ist, kann es gegen 10:30 Uhr also endlich losgehen. Nach zirka zehn Meter, respektive dem ersten Schlagloch, fliegt dann aber auch schon die vordere Tasche in hohem Bogen vom Lowrider. Passiert ist nichts, ich gewinne aber die Erkenntnis, daß ich in Zukunft auch immer kontrollieren werde, ob die Taschen richtig am Gepäckträger eingehakt sind. Jeder, der schon mal mit dreißig Kilogramm Gepäck Rad gefahren ist, weiß wie wackelig die ersten Meter sind. In etwas unsicherer Fahrt verlasse ich Oslo auf der N4 in Richtung Norden. Recht bald werde ich dann auch um die Erfahrung reicher, daß man Radwege in Städten generell meiden sollte. Meistens kommt man nicht dorthin, wo man eigentlich hin will. Und sollte man doch einmal auf einem Radweg sein Ziel erreichen, dann war man sicher doppelt so lange wie auf der Straße unterwegs. Auch das Wetter an diesem Tag präsentiert sich besser, als von CNN prognostiziert. Lediglich ein 5-minütiger Regenschauer trübt den sonst teilweise sogar sonnigen Tag. Einige Kilometer außerhalb von Oslo, gibt es dann auch die erste (und einzige) Elchsichtung. Das Streckenprofil erweist sich als ziemlich anstrengend. Der Verlauf der Straßen ist ein ewiges Auf und Ab. Kaum hat man einen Hügel oder Berg erklommen, geht es auf der anderen Seite schon wieder bergab, um dann gleich wieder bergauf zu gehen. Nach zirka 100 Kilometern erreiche ich dann mit dem Aussichtspunkt Lygna auf 600 Meter Höhe den höchsten Punkt des heutigen Tages. Als Entlohnung für den Anstieg erwartet mich dann aber eine herrliche Abfahrt. Ohne nennenswerte Anstiege werden dann noch die letzten Kilometer bis Gjøvik bewältigt. Gegen 19:30 Uhr erreiche ich den Campingplatz von Gjøvik und miete dort eine Hütte direkt am See.
 

Elch in der Nähe von Oslo 
Oben: Elch in der Nähe von Oslo
 

 
 

Mittwoch, 1. Juli 1998:

Um 10:30 Uhr verlasse ich Gjøvik auf der N4 in Richtung Lillehammer. Das Wetter zeigt sich heute eher von der bewölkten Seite. Vom Regen bleibe ich aber vorerst verschont. Einige Stunden später erreiche ich gegen 13:30 Uhr bei einsetzendem Regen Lillehammer. Da die Landschaft in dieser Gegend nicht so sehr nach meinem Geschmack ist, beschließe ich nach Konsultation der Straßenkarte, mit dem Zug ein Stück nach Norden zu fahren. Beim Kauf der Fahrkarten erfahre ich, daß für heute bereits alle Züge voll gebucht sind. Also mache ich eine Reservierung für den nächsten Tag. Danach wird das sehr gemütliche und auch recht preiswerte Hotel direkt neben dem Bahnhof bezogen. Der Regen, mit dem ich in Lillehammer begrüßt wurde, erwies sich nur als kurzer Schauer. Nach einer Stunde haben wir strahlenden Sonnenschein und beinahe wolkenlosen Himmel. Da der Tag noch jung ist, beschließe ich, das Olympiastadion von Lillehammer zu besuchen. Zu Fuß dauert die Wanderung vom Stadtzentrum zur Olympiaanlage zirka eine Stunde. Ich habe Glück, denn an diesem Tag wird gerade trainiert, wodurch ich die Gelegenheit habe, einige Skispringer in Aktion zu bewundern. Wer jetzt vielleicht glaubt, daß es dort oben so kalt war, daß die noch Schnee hatten, der irrt. Selbstverständlich wurde auf einer Mattenanlage gesprungen. Die Anlage ist für Besucher übrigens fast uneingeschränkt zugänglich. Für ein paar Kronen darf man auch den Sessellift benutzen und die Sprungschanze betreten. Das Stadtzentrum von Lillehammer (Fußgängerzone) ist ebenfalls einen kurzen Abstecher wert.
 

Skisprunganlage in Lillehammer 
Oben: Skisprunganlage in Lillehammer & Skispringer
 

 
 

Donnerstag, 2. Juli 1998:

Der heutige Tag beginnt fürs erste mit einer Zugfahrt. Bei strahlend blauen Himmel verlasse ich um 10:00 Uhr Lillehammer. Als etwas mühsam stellt sich dann die Fortbewegung im Zugabteil heraus, da ich sechs Gepäckstücke hinter mir herschleifen muß. Mit zunehmender Fahrtdauer wird dann auch das Wetter immer schlechter. Als wir gegen 14:30 Uhr den Hauptbahnhof von Trondheim erreichen, erwartet uns leichter Nieselregen, der jedoch bald wieder aufhört. Mit dem Schnellboot (nur für Fußgänger und Fahrräder) geht es dann hinüber, auf eine nördliche Halbinsel, nach Vanvikan. Auf verlassenen Straßen, teilweise sogar ohne Asphaltdecke, führt die Strecke weiter in Richtung Malm. An sich will ich an diesem Tag ja nicht mehr allzu weit fahren, zumal das ewige Auf und Ab der Straße ziemlich kräftezehrend ist. Als der Campingplatz, der laut Karte eigentlich da sein sollte, nicht zu finden ist, fahre ich aber weiter. Auch der nächste Campingplatz in der Straßenkarte ist in der Realität nicht zu finden. Es ist bereits nach 22:00 Uhr und die Temperatur ist merklich gefallen. Also wird heute auf den Campingplatz verzichtet und wild gezeltet. Nach einigen Kilometern finde ich dann auch kurz vor Malm einen schönen und vor allem ebenen Platz neben einem See. Das Thermometer zeigt nur noch 6 °C an. Gut verpackt ist es aber auch trotz der ununterbrochenen Helligkeit kein Problem einzuschlafen.
 

Wildes Zelten 
Oben: Wildes Zelten in der Nähe von Malm
 

 

Freitag, 3. Juli 1998:

Um 11:00 geht es nach dem Zeltabbau auf der N17 weiter in Richtung Namsos. Das Wetter ist, abgesehen von einigen kurzen Regenschauern, ziemlich gut. Noch geprägt vom gestrigen Phänomen der "Imaginären Campingplätze" beschließe ich dann noch, keine Campingplätze in kaum befahrenen Landstrichen mehr einzuplanen, da diese in der Realität meist nicht vorhanden sind. Von Namsos führt die Strecke weiter bis nach Grong, wo die E6 gekreuzt wird. Da der Campingplatz von Grong (Langenes Camping) noch aus dem letzten Jahr in sehr guter Erinnerung ist, schlage ich auch heuer das Nachtlager wieder hier auf. Auf diesem Campingplatz wird mir dann das erste mal auch so richtig bewußt, daß gerade die Fußball-WM im Gange ist. Es findet gerade das Spiel Dänemark – Brasilien statt. Jedesmal wenn Dänemark ein Tor erzielt, schallen die Jubelschreie der dänischen Gäste über den Campingplatz. Dänemark hat übrigens 2:3 verloren. Die Gegend um Grong und Namsos ist vor allem unter Lachsfischern sehr beliebt. Nicht selten sieht man die Angler bis lange nach Mitternacht mit ihren überdimensionalen Angelruten im Fluß stehen. Nach dem Studium der Straßenkarte beschließe ich dann noch, das nächste Teilstück wieder per Zug zurückzulegen. Also geht es per Fahrrad noch schnell zum drei Kilometer entfernten Bahnhof von Grong. Erfreulicherweise ist der Schalter auch um 22:00 Uhr noch besetzt, so daß der Kauf der Fahrkarte kein Problem darstellt.
 

Elchwarnschild 
Oben: Beliebtes Souvenir: Elchwarnschilder
 

 

Samstag, 4. Juli 1998:

Da der Zug Grong erst zu Mittag verläßt, bleibt noch ausreichend Zeit, um einzukaufen und das Zelt abzubauen. Pünktlich um zwölf Uhr verlassen wir dann Grong in Richtung Norden. Nach zirka sechs Stunden Fahrzeit, vorbei am Polarkreis, erreicht der Zug dann Bodø. Das Wetter hier oben ist traumhaft schön. Sonne satt und blauer Himmel soweit das Auge reicht. Von den Regenschauern der letzten Tage keine Spur. Auch die Landschaft im Hohen Norden gefällt mir besser, als der Süden. Ich bin daher recht zufrieden mit der Entscheidung, eine Zugetappe in die Reise eingebaut zu haben. Es ist bereits etwas nach 19:00 Uhr. Die nächste Fähre hinüber auf die Lofoten, nach Moskenes, legt um 21:00 Uhr ab. Genug Zeit, um sich Bodø etwas näher anzusehen und einen Happen zu essen. Auch auf dieser Fährfahrt drängt sich die Fußball-WM wieder in den Vordergrund. Diesmal verliert Deutschland gegen Kroatien 0:3. Es ist sehr interessant die Reaktionen der zahlreichen deutschen Passagiere zu beobachten. Die Bandbreite reicht von Entsetzen, Fassungslosigkeit und Niedergeschlagenheit, über Resignation bis zu Belustigung. Da die Fahrtzeit 3 ½ Stunden beträgt, haben wir das Glück, die Lofoten genau zur Mitternachtssonne zu erreichen. Der Ausblick vom Schiff auf die tief über dem Meer stehende Sonne und die endlose Bergkette ist einfach überwältigend. Wegen der extremen Kälte des Fahrtwindes wagen es jedoch nur wenige Passagiere, sich dieses Schauspiel an Deck anzusehen. Die meisten Reisenden, in der Regel nur mit einem T-Shirt bekleidet, sind meist nach dreißig Sekunden oder einen Foto, je nachdem was kürzer ist, wieder unter Deck verschwunden. Jacke und Kopfbedeckung sollten auf keinem Norwegenurlaub im Gepäck fehlen. Auch wenn die normalen Temperaturen meist angenehm sind, der Fahrtwind auf den zahlreichen Fährfahrten ist unbarmherzig kalt. Dreißig Minuten nach Mitternacht läßt uns das Fährschiff dann in Moskenes von Bord. Mit dem Fahrrad geht es noch zirka fünf Kilometer nach Süden, bis nach Å. Å ist die südlichste Ortschaft der Lofoten und verfügt über den wahrscheinlich idyllischsten Campingplatz Norwegens. Mitten in den Felsen baue ich gegen 1:00 Uhr das Zelt auf einem kleinen Plateau auf. Nach einem kurzen Mitternachtsimbiß geht es dann gegen 2:00 Uhr zum Schlafen ins Zelt. Das Thermometer zeigt nur 5 °C, da die Sonne hinter den Berggipfeln verschwunden ist. Nach knapp zwei Stunden knallt die Sonne dann aber schon wieder gnadenlos vom Himmel und heizt das Zelt binnen weniger Minuten auf über 30 °C auf. Ich öffne daher das Zelt und schlafe bei angenehmerer Temperatur weiter.
 

Mitternachtssonne auf den Lofoten Nachtstimmung auf den Lofoten 
Links: Mitternachtssonne bei der Fährfahrt auf die Lofoten von Bodø nach Moskenes
Rechts: Nachtstimmung auf den Lofoten - Blick Richtung Osten aufs offene Meer
Campingplatz in Å 
Oben: Campingplatz in Å (Südspitze der Lofoten)
 

 

Sonntag, 5. Juli 1998:

Da es gestern sehr spät wurde, wird heute natürlich sehr lange geschlafen. Gegen Mittag ist dann das Zelt zusammengepackt und es kann losgehen. Das heutige Etappenziel ist das etwa 120 Kilometer entfernte Lyngvær. Das Wetter ist unverändert gut. Soweit das Auge reicht, sind keine Wolken auszumachen. Einzig der Wind hat etwas an Intensität zugenommen. Aber das ist normal, wenn man ringsherum vom offenen Meer umgeben ist. Im Großen und Ganzen stellt der Wind aber kein Problem dar, da er von den Bergen relativ gut abgeschirmt wird. Die Landschaft der Lofoten ist in der Tat derart überwältigend, daß ich zu Beginn alle paar Minuten stehen bleibe, um den Ausblick zu genießen und Fotos zu machen. Anders als man vielleicht annehmen möchte, sind die Straßen auf den Lofoten auch überhaupt nicht steil. In der Regel hat man auf der einen Seite die steil aufragenden Berggipfel, auf der anderen Seite das Meer und dazwischen verläuft die Straße. Auch das Verkehrsaufkommen auf der E10 ist sehr gering und kaum störend. Mit der Zeit gelingt es mir dann aber doch, etwas flüssiger zu fahren und nicht mehr alle paar Kilometer anzuhalten. Gegen 20:00 Uhr erreiche ich den Campingplatz in Lyngvær, wo das Zelt aufgebaut wird.
 

Möwe Möwe im Flug 
Links: Überall auf den Lofoten anzutreffen sind die zahlreich vorhandenen Möwen
Rechts: Mit etwas Geduld gelingen Nahaufnahmen auch ohne Teleobjektiv
Fischerdorf Reine Landschaft auf den Lofoten 
Links: Ganz im Süden der Lofoten findet man das Fischerdorf Reine
Rechts: Die für die Bergwelt der Lofoten typischen bizarren Gipfel
Gipfel auf den Lofoten Landschaft auf den Lofoten 
Links: Zum Wandern eher ungeeigneter Berggipfel
Rechts: Speziell für Radfahrer bieten die Lofoten viele interessante Routen
 

 
 

Montag, 6. Juli 1998:

Bei anhaltend prächtigem Wetter und nach wie vor phantastischer Landschaft geht es um 11:00 Uhr weiter in Richtung Norden. Irgendwann verläßt man dann die Lofoten und kommt auf die Inselgruppe der Vesterålen. Der Übergang ist jedoch fließend. Die Landschaft verändert sich kaum und ist nach wie vor von den steil aufragenden Felsgipfeln geprägt. Auf der Fähre hinüber nach Melbu komme ich mit zwei Motorradfahrern ins Gespräch und erfahre, daß die Hurtigrute (Schiffsverbindung von Bergen nach Kirkenes) auch mit dem Motorrad benutzt werden kann. Ich schließe daraus, daß ich mit dem Fahrrad erst recht mit kann. Bisher dachte ich immer, daß die Hurtigrute nur für den Personenverkehr bestimmt sei. Jedenfalls will ich jetzt auch ein Stück mit einem dieser Schiffe fahren. Ich lege den Gedanken vorerst einmal im Hinterkopf ab, um bei Gelegenheit meine Route entsprechend anzupassen. Das letzte Stück von Melbu nach Sortland macht Dank des auflebenden Rückenwinds riesig Spaß und ist sehr schnell zurückgelegt. Gegen 19:00 Uhr miete ich auf dem Campingplatz von Sortland eine Hütte. Da ich vorhabe, an einem der nächsten Tage an der Walsafari in Andenes teilzunehmen, reserviere ich dann vorsichtshalber auch gleich mal telefonisch vor. Wie sich nachträglich herausstellen soll, eine sehr weise Entscheidung. Auch dieser Tag war, wie schon die Tage zuvor, wieder von strahlendem Sonnenschein geprägt. Da und dort, wo ich vergessen hatte ausreichend Sonnencreme aufzutragen, machen sich daher auch schon diverse Sonnenbrände bemerkbar.
 

Brücke über Meerenge Hütte in Sortland 
Links: Häufig werden Meerengen durch mächtige Brückenkonstruktionen überwunden
Rechts: Hütte auf dem Campingplatz von Sortland
Strand bei Sortland 
Oben: Beinahe karibischer Strand in der Nähe von Sortland
 

 
 

Dienstag, 7. Juli 1998:

Gegen 11:45 Uhr nehme ich die letzte Etappe auf der Inselgruppe Lofoten / Vesterålen / Andøya in Angriff. Das Wetter ist unverändert gut. Zunächst geht es recht flott voran. Etwa 40 Kilometer vor Andenes beginnt der Wind dann jedoch heftig aufzufrischen. Unnötig zu sagen, daß es Gegenwind ist. Ziemlich mühsam gestalten sich daher die letzten Kilometer bis nach Andenes. Im Hinblick auf den Wind, der in den nächsten Tagen noch kommen wird, nimmt sich dieser Gegenwind allerdings dann doch recht harmlos aus. Einige Kilometer vor Andenes fällt dann heftiger Nebel ein. Man fährt direkt von strahlendem Sonnenschein in eine dichte Nebelsuppe. Der Nebel erschwert die Orientierung in Andenes ungemein. Es gelingt mir schließlich aber doch sehr rasch die Information, die zugleich auch das Walcenter ist, ausfindig zu machen. Nach kurzer Suche mache ich dann mit der Unterkunft einen echten Glücksgriff. Eigentlich will ich ja ein Zimmer in der Jugendherberge haben. Da diese aber voll belegt ist, bekomme ich statt dessen eine Apartmenthütte zum selben Preis. Diese Hütte hat zwei Schlafzimmer, ein riesiges Wohnzimmer mit TV, ein eigenes Bad, WC und eine voll ausgestattete Küche. Da diese Hütte normalerweise 960 NOK pro Tag kosten würde, muß ich sie allerdings mit jemanden zweiten teilen. Wegen der zwei Schlafzimmer stellt das aber nicht wirklich ein Problem dar. Am ersten Tag habe ich ein Ehepaar aus Norwegen "zu Gast". Nachdem ich mich eine gute halbe Stunde mit denen auf englisch unterhalte, erfahre ich, daß er eigentlich schon seit 25 Jahren Deutsch unterrichtet. Wir einigen uns dann auf Deutsch als Sprache. Bei dieser Gelegenheit fällt mir einmal mehr auf, daß die meisten Norweger eigentlich recht gut Deutsch beherrschen, es aber unter allen Umständen vermeiden wollen, diese Sprache sprechen zu müssen. Nach dem Kochen des Abendessens geht es dann gegen Mitternacht ins Bett.
 

Lachszucht Plötzlicher Nebel 
Links: Lachszucht in der Nähe von Andenes
Rechts: Plötzlicher Nebel kurz vor Andenes
 

 
 

Mittwoch, 8. Juli 1998:

Da heute nur die Walsafari auf dem Programm steht wird erst einmal bis nach Mittag durchgeschlafen. Man hat ja schließlich Urlaub. Ein kurzer Blick aus dem Fenster bestätigt meine Vermutung: Nebel. Also wird zunächst das Frühstück zubereitet. Gleich im Anschluß folgt dann das Mittagessen. Irgendwie muß man ja schließlich die verschlafene Zeit wieder aufholen. Der Termin für die Walsafari ist mit 15:00 Uhr festgesetzt. Wegen des anhaltenden Nebels verschiebt sich dann aber alles um zwei Stunden nach hinten. Etwas nach 17:00 Uhr startet die Führung durch das Walmuseum mit einer abschließenden Diavorführung. Die Führungen finden auf Deutsch, Englisch oder Norwegisch statt und werden von erfahrenen Biologen durchgeführt, die später dann auch auf dem Schiff mit sind und für Fragen immer ein offenes Ohr haben. Bevor die Walsafari startet, bekommt jeder Teilnehmer noch eine Tablette gegen Seekrankheit. Ich weiß zwar nicht, ob die Dinger etwas bewirken, aber schon aus rein psychologischen Aspekten sollte man diese Pille nehmen. Um 19:00 Uhr stechen wir dann auf der M/S Reine in See. Der Nebel hat sich in der Zwischenzeit auch aufgelöst. Die Sicht auf das offene Meer ist also recht gut. Nach knapp zehn Kilometern fällt die Küste vor Norwegen sehr steil auf etwa 2000 Meter Tiefe ab. In diesen tiefen Gewässern treffen wir dann auch schon nach einigen Minuten den ersten Wal an. Zuerst noch sehr weit entfernt. Die nächsten Walsichtungen sind aber kaum mehr als 30 Meter vom Schiff entfernt. "Moby Dick" (diesen Namen erhielt er von den Biologen vor Ort), der größte Pottwal an diesem Tag, ist zirka 20 Meter lang. In der nahrungsreichen Gegend um Andenes halten sich übrigens ausnahmslos männliche Pottwale auf. Die weiblichen Tiere und die Jungwale bevorzugen eher die warmen Gewässer im Süden. Nach über zwei Stunden auf See und insgesamt neun Walsichtungen kehren wir wieder in den Hafen von Andenes zurück. In den Gesichtern der anderen Teilnehmer spiegelt sich deren Begeisterung wider. Um 23:00 Uhr erreicht die M/S Reine den Hafen von Andenes. Die 575 NOK für die Walsafari sind sicher eine lohnende Ausgabe. Jeder, der schon mal auf den Lofoten ist, sollte unbedingt auch den kleinen Umweg nach Andenes in Kauf nehmen, um sich dieses Schauspiel anzusehen. Nur vorher reservieren sollte man auf jeden Fall, denn Wartezeiten von bis zu zwei Tagen, abhängig vom Wetter, sind keine Seltenheit. Zurück in der Hütte wird noch schnell eine Kleinigkeit gekocht und gegen 1:00 Uhr geht es dann ins Bett.
 

Walsafari Andenes Moby Dick beim Tauchen 
Links: Schwanzflosse von "Moby Dick" bei der Walsafari in Andenes
Rechts: Und nochmals der zwanzig Meter lange "Moby Dick" etwas näher
 

 
 

Donnerstag, 9. Juli 1998:

Heute ist bereits um 9:00 Uhr Tagwache. Zu meiner Überraschung hat sich auch der Nebel verzogen und es scheint die Sonne. Die Zeit bis zur Fährabfahrt nach Senja um 12:30 Uhr nütze ich mit Einkaufen und Postkarten schreiben. Kurz vor Mittag fällt dann aber wieder dichter Nebel ein. Andenes ist scheinbar ein wahres Nebelloch. Da ich aber in einer knappen halben Stunde diese Stadt ohnehin verlassen werde, stört mich diese Tatsache wenig. Die Fährfahrt von Andenes nach Senja (Gryllefjord) dauert knapp zwei Stunden. Auf halber Strecke hört dann auch der Nebel auf. In Gryllefjord erwartet mich daher wieder strahlend blauer Himmel. Auch Senja verfügt über eine sehr beeindruckende und bizarre Landschaft. Je weiter die Straße ins Landesinnere führt, desto heißer wird es. Über zahlreiche kleine Berge gelangt man schließlich bis nach Finnsnes. Dort versuche ich zunächst vergeblich einen Campingplatz ausfindig zu machen. Auch das einzige Hotel der Stadt ist restlos ausgebucht. Da die Information bereits um 16:00 Uhr geschlossen hatte, erfahre ich nach Rückfrage bei einigen Einheimischen, daß es zirka sieben Kilometer außerhalb der Stadt einen Campingplatz gibt. Dort miete ich dann eine Hütte.
 
 

Freitag, 10. Juli 1998:

Finnsnes ist eine Haltestelle der Hurtigrute. Einmal pro Tag, nämlich um 12:00 Uhr, macht ein Schiff der Hurtigrute hier Halt. Mein Plan ist, mit dem Schiff bis nach Hammerfest zu fahren. Gegen 10:30 Uhr mache ich mich also auf, um vom Campingplatz wieder zurück nach Finnsnes zu fahren. Bedauerlicherweise muß ich diese Strecke in leichtem Regen zurücklegen. Um 11:15 Uhr trifft das Schiff im Hafen von Finnsnes ein. Ohne Probleme besorge ich mir das Ticket an Bord. Das Fahrrad fährt gratis mit und wird über den Autolift an Bord gebracht. Alle Fahrzeuge bis zur Größe eines PKW können mit der Hurtigrute problemlos befördert werden. Die Mitnahme von Wohnmobilen ist nicht möglich. Auf dem Schiff "Midnatsol" verlassen wir Finnsnes in Richtung Norden. Der nächste Stop ist um 15:00 Uhr in Tromsø. Da das Schiff hier bis 18:30 Uhr vor Anker liegt, bleibt ausreichend Zeit für einen Landgang. Das Wetter in Tromsø ist ziemlich kühl und bewölkt. Tromsø selbst verfügt eigentlich nur über eine einzige wirkliche Sehenswürdigkeit, nämlich die Eismeer-Kathedrale. Diese moderne Kirche rühmt sich des größten Glaskirchenfensters Europas. Ansonsten ist das Gebäude, abgesehen von der außergewöhnlichen Form, eher schlicht. Da Tromsø die einzige größere Stadt in weitem Umkreis ist, hat man hier auch eine große Auswahl an Geschäften und Restaurants. Gegen 19:00 Uhr geht die Fahrt weiter in Richtung Hammerfest. Geplante Ankunft in Hammerfest ist 6:00 Uhr morgens. Da ich es nicht für nötig hielt, mir eine Kabine für diese kurze Fahrt zu nehmen, versuche ich, die Nacht so gut wie möglich auf dem Aussichtsdeck zu verbringen.
 

Kirchenfenster der Eismeerkathedrale Eismeerkathedrale 
Links: Kirchenfenster der Eismeerkathedrale in Tromsø
Rechts: Außenansicht der Eismeerkathedrale
 

 
 

Samstag, 11. Juli 1998:

Mit etwas Verspätung erreicht die "Midnatsol" um 6:45 Uhr Hammerfest. Das Problem, das sich nun ergibt: "Was mache ich um sieben Uhr früh mitten in Hammerfest, noch dazu an einem Samstag?" Die Straßen sind jedenfalls menschenleer. Der einzige Campingplatz hat noch geschlossen. Zelt will ich keines aufbauen. Und die Hotels sind alle voll belegt. In einem Hotel bekomme ich aber die Zusage, daß um 11:00 Uhr ein Zimmer frei wird. Die Zeit bis dahin wird mit einer kleinen Wanderung und Einkaufen überbrückt. Kurz vor Mittag kann ich dann tatsächlich in besagtes Hotelzimmer einziehen. Und da ich ja auf Urlaub bin und Streß so ungesund ist, buche ich das Zimmer dann auch gleich für zwei Tage. Noch vor allen anderen Sachen hole ich zuerst den fehlenden Schlaf des letzten Tages nach. Am späten Nachmittag gönne ich mir dann ein Abendessen in einem nahen Restaurant mit tollem Blick über Hammerfest. Allerdings Stelle ich fest, daß die Eßkultur mit steigendem Breitengrad deutlich abnimmt. Mittlerweile wird das gar nicht mal so billige Essen auf Plastiktellern serviert. In der Stadt findet gerade eine Art Volkslauf statt. Es ist jedenfalls ziemlich was los. Aber auch Hammerfest gibt in puncto Sehenswürdigkeiten nicht sehr viel her. Dafür ist die Landschaft ringsum ganz toll. Obwohl ich eigentlich kein Fußballfan bin, kann ich es mir nicht verkneifen, das Semi-Finale der WM im TV anzusehen.
 

Hammerfest 
Oben: Blick hinunter auf Hammerfest
 

 
 

Sonntag, 12. Juli 1998:

Auch heute ist wieder Schlafen bis Mittag angesagt. Da für diesen Tag noch nichts Besonderes geplant ist und der Himmel sich in makellosem Blau zeigt, beschließe ich, einen Wandertag einzulegen. Das Umland rund um Hammerfest eignet sich ganz vorzüglich für solche Unternehmungen. Über endlose Fjells kann man stundenlang, bis an die Nordküste wandern. Und die Aussicht hinunter auf Hammerfest ist sowieso grandios. Gegen 19:00 Uhr bin ich wieder zurück im Hotel. Heute läuft das Finale der Fußball-WM im Fernsehen. Frankreich gewinnt gegen Brasilien 3:0. Nach dem Match, gehe ich nochmals raus, ein bißchen Mitternachtssonne schauen. Zu meiner Überraschung bin ich da nicht der Einzige. Auf dem Berg direkt über Hammerfest tummeln sich gut fünfzig Touristen, die die Mitternachtssonne genießen. Hammerfest ist wahrscheinlich einer der wenigen Orte, wo man nicht für verrückt gehalten wird, wenn man um Mitternacht mit dunklen Sonnenbrillen durch die Gegend läuft. Auf dem Rückweg zum Hotel stelle ich mit Unbehagen fest, daß der Wind in der Zwischenzeit stark aufgefrischt hat. In der Hoffnung, daß sich der Wind bis zum nächsten Morgen legen wird, gehe ich um 1:00 Uhr zu Bett.
 

Fjells bei Hammerfest Mitternachtssonne in Hammerfest 
Links: Für Wanderungen wie geschaffen ist das Hochland rund um Hammerfest
Rechts: Mitternachtssonne in Hammerfest
 

 
 

Montag, 13. Juli 1998:

Um 10:00 Uhr breche ich bei tollem Wetter auf. Leider bestätigen sich aber die Befürchtungen des Vortages. Der Wind hat nicht nachgelassen. Ganz im Gegenteil, gefühlsmäßig hat er an Intensität sogar noch etwas zugelegt. Bei brutalem Gegenwind von geschätzten 10 m/s kämpfe ich mich langsam vorwärts. Die Geraden werden dabei im dritten Gang gefahren. Diese Übersetzung verwende ich sonst nur bei steilen Anstiegen. Selbst für eine durchschnittliche Geschwindigkeit von knapp über 10 km/h ist es notwendig, mit vollem Krafteinsatz zu radeln. Einige andere Radfahrer, denen ich unterwegs begegne, sind bereits derart entnervt, daß sie das Rad kurzerhand einfach schieben. Nach brutalen 80 Kilometern erreiche ich dann irgendwann aber doch Russenes. Nach den Strapazen des Tages gönne ich mir ein schönes und preiswertes Motel. Nach einer Dusche und einem Abendessen, diesmal sogar auf echten Tellern, sieht alles gleich wieder ganz anders aus. Einzig der Wind hat nicht nachgelassen. Sollte der Wind aber die Richtung beibehalten, dann würde das für morgen sogar leichten Rückenwind bedeuten.
 
 

Dienstag, 14. Juli 1998:

Nach dem Frühstück geht es bereits um 10:00 Uhr auf der E69 weiter in Richtung Nordkapp. Zu meiner Überraschung sieht es auf den ersten paar Kilometern auch tatsächlich nach Rückenwind aus. Doch bereits nach wenigen Kilometern macht die Straße eine Kurve und der Wind kommt wieder voll von vorne, und zwar mit unverminderter Stärke. An sich bin ich ja kein Tunnelfreund. Angesichts dieses brutalen Gegenwindes sind Tunnel aber der einzige Zufluchtsort, um dem Wind zumindest zeitweilig zu entkommen. So sind die beiden Röhren entlang der E69, einmal mit 400 Meter, einmal mit drei Kilometer, eine willkommene Abwechslung. Abgesehen vom Wind ist das Wetter aber auch an diesem Tag wieder prachtvoll. Das Verkehrsaufkommen auf der E69 ist überraschend gering. Besonders deutlich wird einem dies, wenn man einen Tunnel durchfährt. In einem drei Kilometer langen Tunnel, werde ich bloß von einem einzige PKW überholt. Meine Maßnahmen bezüglich Fahrradbeleuchtung erscheinen mir angesichts dieser geringen Verkehrsdichte übertrieben. In der Tat sind die meisten anderen Radfahrer gänzlich ohne Beleuchtung, nur mit Rückstrahlern ausgestattet, unterwegs. Dem orkanartigen Gegenwind trotzend erreiche ich am frühen Abend die Fähre hinüber nach Honningsvåg. Nach einer knapp einstündigen Überfahrt legt die Fähre im Hafen von Honningsvåg an. Zur Zeit wird mit Hochdruck an einem Tunnelprojekt namens "Fatima" gearbeitet. Dieser Tunnel soll ab 1999 die Fährfahrt hinüber nach Magerøya ersetzen. Mit Begeisterung stelle ich fest, daß auf Magerøya der Wind dank der schützenden Berge fast gänzlich aufgehört hat. Die letzten paar Kilometer bis zum Campingplatz (NAF-Nordkapp-Camping) fahren sich daher fast wie von selbst. Da Streß, wie bereits erwähnt, sehr ungesund ist, werde ich auch auf diesem Campingplatz das Zelt für zwei Tage aufstellen. Im Gespräch mit einem Radfahrer aus Holland, der jetzt aber schon seit drei Jahren in Nordschweden lebt, erfahre ich, daß der Eintritt zum Nordkapp für Radfahrer gratis ist. Außerdem darf man mit dem Fahrrad auch direkt bis zum Globus vorfahren, während alle anderen mit dem Parkplatz Vorlieb nehmen müssen.
 

Rentiere auf Magerøya NAF-Nordkapp-Camping 
Links: In großer Zahl findet man Rentiere auf der Insel Magerøya
Rechts: Ein optimales "Basislager" für die Nordkappetappe ist der Campingplatz bei Honningsvåg
 

 

Mittwoch, 15. Juli 1998:

Heute ist Nordkapp-Tag. Da ich nicht mit dem ganzen Gepäck rauf fahren möchte, montiere ich nur die beiden hinteren Taschen am Rad. Der Rest bleibt zurück im Zelt. Gegen 10:00 Uhr breche ich bei super Wetter auf. Bis zum Nordkapp sind es noch genau 27 Kilometer. Der Holländer von gestern hat nach eigenen Angaben 2 ½ Stunden dafür benötigt. Da ich aber berg-geeicht und hochmotiviert bin, und auch der Wind heute sehr gnädig zu mir ist, schaffe ich die Strecke in weniger als 1 ½ Stunden. Insgesamt sind auf dem letzten Stück bis zum Nordkapp noch 800 Höhenmeter zurückzulegen. Zuerst geht es gleich einmal auf 300 Meter hinauf. Nach einigen Kilometern führt die Straße dann wieder hinunter auf Meeresniveau. Danach geht es wieder rauf auf über 300 Meter. Nach einigem Auf und Ab erreicht man schließlich aber das Nordkapp auf einer Höhe von 307 Meter. Der erste Eindruck ist sicher der eisig kalte Wind, der einem hier oben um die Ohren bläst. Zuerst geht’s gleich einmal mit dem Rad hinunter zum Nordkapp-Plateau, wo der Globus steht. Man will ja schließlich auch Fotos machen. Wegen des kalten Windes, laut Wetterstation nur 12 °C warm und 15 m/s schnell, ist auf dem Plateau aber recht wenig los. Die meisten Leute halten sich im Nordkapp-Gebäude auf. Nach einer kurzen Fotosession mache ich mich dann auch daran, das Innere des Nordkapps zu erkunden. Am Eingang sehe ich mich nochmals kurz um, ob denn da auch wirklich kein Eintritt zu bezahlen ist, aber das Nordkapp ist für Radfahrer tatsächlich kostenlos. Es dauert dann etwa zwei bis drei Stunden, bis man alles gesehen hat. Häufig stößt man dabei auch auf ganz interessante Schaukästen mit historischem Hintergrund. Die 15-minütige Multimediavorführung (Super Videograph) ist auf jeden Fall einen Pflichtbesuch Wert. Ich habe mir die Vorführung gleich zweimal angesehen. Das Geld, das ich beim Eintrittspreis gespart habe, immerhin 175 NOK, wird dann aber im Souvenirladen in Postkarten und einen Plüschelch umgesetzt. Bei Heißer Schokolade und Kuchen gilt es nun unzählige Postkarten zu schreiben. Gegen 16:00 Uhr gehe ich nochmals raus auf das Plateau. Im Meer, 307 Meter unter uns, fährt gerade ein Passagierschiff vorbei. In der Zwischenzeit parken bereits auch andere Radfahrer vor dem Nordkapp. Mit einem Schweizer und einem Paar aus den USA habe ich dann auch noch kurz gesprochen. Die beiden aus den USA fahren doch tatsächlich vom Nordkapp bis nach Marokko. Und am Gepäckträger haben sie neben dem üblichen Zeug noch massenhaft Rentiergeweihe verstaut. Nach etwa fünf Stunden, sehr viel länger kann man sich am Nordkapp beim besten Willen nicht beschäftigen, breche ich auf, um zurück zum Campingplatz zu fahren. Auch auf dem Rückweg habe ich ziemliches Windglück. Relativ rasch sind die 27 Kilometer und jetzt nur noch 500 Höhenmeter bewältigt. Von nun an geht es direkt nach Süden.
 

Nordkapp Nordkapp II 
Links: Das Nordkapp - der nördlichste Punkt der Radtour
Rechts: Bei Windstärken von 15 m/s halten sich nur wenige Leute im Freien auf
Blick vom Nordkappfelsen Eingang zum Nordkapp 
Links: Blick hinunter vom 307 Meter hohen Nordkappfelsen
Rechts: Eingang zum Nordkapp
 

 
 

Donnerstag, 16. Juli 1998:

Bei anhaltend schönem Wetter breche ich um 9:45 Uhr vom Campingplatz in Richtung Honningsvåg auf. Bis zur Abfahrt der Fähre um 11:15 Uhr bleibt noch ausreichend Zeit, um den zur Neige gehenden Lebensmittelvorrat aufzufüllen. Knapp nach Mittag setzt uns die Fähre dann in Kåfjord ab. Da man als Fahrrad meist als einer der ersten das Schiff verläßt, warte ich zunächst einmal, bis die restlichen Fahrzeuge das Schiff verlassen haben und an mir vorbei sind. Ohne Verkehr geht es dann auf der bereits bekannten Strecke zurück nach Russenes. Auch der Wind ist heute sehr viel angenehmer als bei der Hinfahrt. In gemütlichem Tempo nähere ich mich dem heutigen Etappenziel. Durch den bereits bekannten drei Kilometer langen Tunnel führt der Weg zurück. Doch plötzlich taucht am Ende des Tunnels eine riesige Rentierherde auf. Wegen der hohen Außentemperatur haben sich die Tiere in den kühlen Tunnel zurückgezogen. Mit dem Fahrrad ist das Durchkommen durch die Herde sehr leicht. Man fährt einfach mitten hinein; die Tiere weichen dann von selbst zur Seite. Einzig die Autofahrer haben da so ihre Probleme. Zuerst stehen die meisten Autofahrer einige Minuten einfach nur da und warten. Dann probieren sie es mit einem vorsichtigen Hupen. Als das alles nichts bringt, kommen sie schließlich zu der Erkenntnis, daß nur langes, lautes Hupen hier zum Erfolg führt. Gemächlichen Schrittes traben die Rentiere dann aus dem Tunnel, um eine Minute später gleich wieder hinein zu gehen. Gegen 18:00 Uhr erreiche ich den Campingplatz in Russenes, wo das Zelt aufgebaut wird. Wegen der Nähe zum Nordkapp wird es aber eine sehr laute Nacht, da pausenlos irgendwer gerade vom Nordkapp kommt und auf dem nicht allzu großen Campingplatz einen Stellplatz sucht.
 

Landschaft auf Magerøya Tunnel mit Rentieren 
Links: Selbst in Meereshöhe wachsen auf Magerøya nur meterhohe Bäume
Rechts: Bei heißem Wetter findet man oft ganze Rentierherden in Tunneleingängen
Tunnel mit Rentieren II 
Oben: Rentiere blockieren oft nachhaltig den Verkehr
 

 
 

Freitag, 17. Juli 1998:

Aus irgend einem Grund bin ich heute voller Tatendrang und breche daher schon um 9:00 Uhr auf. Kurz vor der Abfahrt unterhalte ich mich noch mit einer Familie aus Oslo, die mir zum Abschied dann eine Packung Kekse schenkt. Irgendwie stopfe ich die auch noch in die ohnehin überfüllte Gepäcktasche. Nach einigen Kilometern verlasse ich die E69 und fahre auf der E6 weiter in Richtung Süden. Da hier auf zehn Kilometern der Asphalt erneuert wird, fahre ich nun erstmals unter wirklich schlechten Straßenbedingungen. Nach der Windstille am Vormittag frischt der Gegenwind im Laufe des Tages dann auf. Die Intensität des Windes ist aber bei weitem nicht so schlimm wie in den letzen Tagen. Da meine Bargeldreserven bereits auf unter 50 NOK geschrumpft sind, nütze ich in Lakselv die Gelegenheit, um mit der ec-Karte etwas Bargeld abzuheben. Diese Art der Bargeldbeschaffung ist sicher die günstigste, da auf die Kreditkarte sehr hohe Spesen verrechnet werden. Im Supermarkt von Lakselv werde ich dann endlich auch auf meiner Suche nach Taschentüchern fündig. Nach zahllosen erfolglosen Versuchen kann ich hier endlich eine Packung "Kleenex" erwerben. Die enorme Packungsgröße von 12 x 10 Taschentüchern wirkt sich jedoch nachhaltig auf das freie Fassungsvermögen meiner Packtaschen aus. Nach einem Mittagessen geht es weiter in Richtung Süden. Am Horizont haben sich in der Zwischenzeit bedrohliche Wolken aufgetürmt. Ich habe aber Glück und komme trockenen Fußes bis nach Skoganvarre, wo am Campingplatz eine Hütte bezogen wird. Mittlerweile macht sich auch die Nähe zu Lappland bemerkbar. Die Mückenintensität nimmt dramatisch zu. Zu meiner Überraschung funktioniert das mitgebrachte Mückenspray aber recht gut. Einzig die Wirkdauer von knapp zwei Stunden ist etwas kurz. Gut eingesprüht ist es jedenfalls kein Problem, sich auch mit kurzen Hosen im Freien aufzuhalten.
 
 

Samstag, 18. Juli 1998:

Bei gutem Wetter geht es um 10:00 Uhr los. Für heute habe ich nur eine kurze Etappe, bis knapp vor die finnische Grenze eingeplant. Im Laufe des Tages frischt der Wind dann auf und erstmals gibt es auch wieder einige unergiebige Regenschauer. Da die Sonne aber gleich darauf wieder zum Vorschein kommt, trocknet alles sehr rasch. Gegen 14:00 Uhr wird der heutige Tag in Karasjok beendet. Da heute Samstag ist, fällt der Wochenendeinkauf besonders üppig aus. Die Mückendichte ist im Vergleich zu gestern gestiegen. Aber das Mückenspray wirkt nach wie vor. Einzig die Mücken in der Hütte sind ziemlich lästig. Also nehme ich mir erst einmal eine halbe Stunde Zeit, um alles tot zu schlagen, was so in der Hütte herum schwirrt. Da der heutige Einkauf beim besten Willen nicht in die Packtaschen paßt, wird zum Abendessen reingehauen, was geht. Gegen Abend verziehen sich dann auch die letzten Wolken und wir haben wieder blauen Himmel. Erstmals zeigt die RDS-Anzeige auf meinem Radio wieder neun Sender an. Das ist ein deutliches Indiz dafür, daß wir uns zivilisierten Landstrichen nähern. Am Abend spreche ich dann noch mit zwei deutschen Radfahrern, die auf dem Weg zum Nordkinn sind. Das Nordkinn liegt etwas östlich vom Nordkapp und ist der nördlichste Festlandpunkt Europas. Das Nordkinn selbst kann allerdings nur zu Fuß erreicht werden, da die Straße einige Kilometer vorher aufhört. Das wird wohl auch der Grund sein, warum so wenige Leute dorthin fahren; es ist ja immerhin anstrengend ein paar Kilometer zu wandern, auch wenn man zuvor schon 3000 Kilometer im Auto gesessen hat.
 
 
 

Sonntag, 19. Juli 1998:

Der heutige Tag begrüßt mich mit Sonnenschein. Die Sonne wird allerdings durch einen Dunstschleier etwas gedämpft. Mein Gefühl sagt mir, daß das verdächtig nach aufziehendem Regen aussieht. Nach einer knappen Stunde ist der Himmel dann auch schon ziemlich bedeckt. Bei Karigasniemi passiere ich die finnische Grenze. Als erstes wird die Uhr um eine Stunde vorgestellt. Als zweites gehe ich einkaufen, da in Finnland viele Geschäfte auch sonntags geöffnet haben. Interessanterweise will an der Grenze kein Mensch den Paß kontrollieren. Auch von Grenzbeamten war weit und breit keine Spur. Und das, obwohl man hier eigentlich eine EU-Außengrenze passiert. Die Länder Norwegen, Schweden und Finnland werden rein grenztechnisch ja seit jeher als ein einziges großes Land betrachtet. Da wird wahrscheinlich auch die EU nicht viel daran ändern können. Mein erster Gedanke "Endlich in Finnland, jetzt wird es sicher gleich flacher werden", stellt sich sehr bald als Wunschdenken heraus. Gleich nach dem Grenzübergang geht es gleich einmal 200 Höhenmeter bergauf. Danach kommt der Straßenverlauf auf einer Strecke von gut 50 Kilometern ohne eine einzige Kurve aus und es geht immer ganz leicht auf und ab. Da ich diese zahllosen Winzig-Anstiege in der Regel ohne zu Schalten mit Schwung zu nehmen versuche, stellt sich mit der Zeit dann auch eine gewisse Ermüdung ein. Der Wind kommt diesmal von der Seite und ist daher nicht so lästig. Einige Kilometer vor dem heutigen Etappenziel Inari setzt dann plötzlich heftiger Dauerregen ein. Da es aber nur noch wenige Kilometer bis zum Campingplatz sind, stört das nicht so sehr. Wegen des Regens wird heute selbstverständlich nicht das Zelt aufgebaut, sondern eine Hütte genommen. Die Hütte war nicht nur ziemlich gemütlich und groß, sondern verfügte auch über sage und schreibe acht Betten. Der Preis war aber trotzdem der einer 2-Bett Hütte. Irgendwie habe ich dann in meiner 8-Bett Hütte aber schon Gewissensbisse, als ich beim Fenster hinaus sehe und einem ganzen Autobus voller junger Franzosen dabei zusehe, wie sie ihr Zeltlager im strömenden Regen aufbauen. Tja, cest la vie. Der Regen hält dann noch bis tief in die Nacht an. Das ist der erste Tag bisher, an dem es wirklich geregnet hat. Alles was bisher gewesen ist, waren nur kurze, unergiebige Regenschauer.
 

Straße in Finnland Fluß in Finnland 
Links: Kaum einen Kilometer nach der finnischen Grenze ändert sich der Straßentyp schlagartig
Rechts: Nicht nur Seen, sondern auch idyllische Flüsse findet man in Finnland
 

 
 

Montag, 20. Juli 1998:

Vom gestrigen Dauerregen ist nichts mehr zu sehen. Einzig die Straßen sind noch etwas naß, werden von der durchbrechenden Sonne aber rasch getrocknet. Gegen 10:15 Uhr nehme ich die heutige Etappe in Angriff. Da das offene Meer nun weit entfernt ist und ich immer weiter ins Landesinnere vordringe, steigt auch die Temperatur rasch auf einen Wert um die 25 °C an. Auch der Wind bläst im Landesinneren in der Regel nicht sehr kräftig. Über zahllose Hügel führt die Straße nach Süden. Zwischendurch erwischen mich dann auch noch einige Regenschauer. Gegen 18:15 Uhr erreiche ich bei sonnigen und trockenem Wetter den Campingplatz von Vuotso, wo ich eine ziemlich häßliche aber auch billige Hütte miete. Was in Norwegen noch undenkbar war, ist in Finnland Selbstverständlichkeit: Die Duschen an den Campingplätzen sind allesamt kostenlos zu benützen. Nach drei Wochen Münzduschen und Bangen, ob das Wasser denn noch ausreichen würde, um das Shampoo aus dem Haar zu waschen, wird die abendliche Dusche in Finnland erstmals wieder zelebriert. Zum Abendessen gibt es dann Rentier Geschnetzeltes mit Kartoffelpüree und Preiselbeeren. Das Zeug ist zwar eßbar, trifft aber sonst eher nicht meinen Geschmacksnerv. Komischerweise schmeckte Rentierfleisch den wenigsten Leuten mit denen ich mich unterwegs unterhalten habe. Aber was nimmt man nicht alles auf sich, um sagen zu können: "Ja, ich habe auch schon mal ein Rentier vertilgt!"? Apropos Essen. In Andenes gab es auch Walfleisch zu kaufen. Diesen kulinarischen Genuß habe ich mir damals aber dann doch nicht zugemutet.
 
 

Dienstag, 21. Juli 1998:

Heute habe ich wirklich kein Wetterglück. Es ist 10:30 Uhr und just in dem Moment als ich das Rad besteige, setzt leichter Nieselregen ein. Da es aber absolut windstill ist, macht es trotzdem Spaß bei diesem Wetter zu fahren. Regen, sofern es sich nicht um drei Tage Dauerregen handelt, empfinde ich nicht unbedingt als Schlechtwetter. Wenn ich die Wahl zwischen Regen und Gegenwind hätte, dann würde ich auf jeden Fall den Regen dem Wind vorziehen. Nach ungefähr zwei Stunden hört der Nieselregen dann auf und die Sonne bricht durch die Wolken. Bei immer besser werdendem Wetter geht es weiter in Richtung Süden. Unterwegs treffe ich zwei Deutsche die mit dem Rad für sechs Monate in Skandinavien und dem Baltikum unterwegs sind. Die beiden waren bereits in Honningsvåg, also 30 Kilometer vor dem Nordkapp, sind dann aber nicht zum Nordkapp gefahren, weil sie fälschlicherweise angenommen hatten, daß dort 175 NOK Eintritt zu entrichten seien. Als ich ihnen erzähle, daß das Nordkapp für Radfahrer ohnehin gratis ist, waren die Verwunderung und der Ärger deutlich sichtbar. Da sich die Route der beiden mit meiner ziemlich deckt, legen wir den Rest des heutigen Tages gemeinsam zurück. Im Gespräch mit den beiden erfahre ich dann noch, daß es im Alta-Fjord angeblich massenhaft Lachse geben soll. Die haben jedenfalls innerhalb von fünfzehn Minuten vier Lachse herausgezogen. Dank des fairen Windes erreichen wir gegen 16:00 Uhr Sodankylä, wo ich eine gemütliche Hütte miete. Der Einkauf an diesem Tag fällt wieder einmal viel zu umfangreich aus. Also gilt es am Abend einmal mehr bis zum Umfallen reinzuhauen, da der Rest sonst in den Packtasche keinen Platz mehr finden würde. Am späten Abend zeigt sich das Wetter dann wieder von seiner besten Seite. Allerdings hat auch der Wind lebhaft aufgefrischt. Ein Blick auf den Fahnenmast zeigt jedoch, daß es sich nach jetzigem Stand der Dinge um Rückenwind handelt. In der Hoffnung, daß der Wind bis morgen nicht drehen wird, begebe ich mich gegen 23:00 Uhr zu Bett.
 
 

Mittwoch, 22. Juli 1998:

Der erste Blick heute morgen gilt dem Fahnenmast. Der Wind ist unverändert stark und bläst auch nach wie vor direkt in Südrichtung. Auch das Wetter sieht ziemlich gut aus. Nach dem Frühstück brechen wir gegen 11:15 Uhr auf. Der Rückenwind, der in der Theorie so phantastisch ausgesehen hat, erweist sich dann auch in der Praxis als absolut traumhaft. Mit einer Geschwindigkeit von meist über 30 km/h auf ebener Strecke rasen wir in Richtung Süden. Es ist unglaublich, wie schnell die Kilometer bei einem derartigem Rückenwind herunter gespult werden. Das Zitat zum Tag lautet: "Mensch, das rollt heute wieder". Je weiter wir in den Süden vordringen, desto stärker wird dann auch der Verkehr. Kurz vor Rovaniemi steht dann ein Besuch beim Weihnachtsmann auf dem Programm. Die Werkstatt des Weihnachtsmannes, die gleichzeitig auch den nördlichen Polarkreis markiert, ist an Kitsch nur schwer zu überbieten. Die spielen dort bei über 25 °C und strahlendem Sonnenschein den ganzen Tag über Weihnachtsmusik. Es will aber trotzdem keine rechte Weihnachtsstimmung aufkommen. Als Tourist findet man das sicher noch recht komisch. Wenn man aber den ganzen Tag dort arbeiten muß, sind psychische Schäden praktisch vorprogrammiert. Vom Weihnachtsmann bis nach Rovaniemi sind es dann noch knapp zehn Kilometer. Aufpassen sollte man bei der Suche des Campingplatzes von Rovaniemi. Die Hinweisschilder am Stadtrand verweisen nämlich auf einen Campingplatz, der einige Kilometer außerhalb der Stadt liegt. Der eigentliche Campingplatz liegt aber direkt neben dem Stadtzentrum an einem Fluß. Nachdem ich zuerst irrtümlich den Hinweisschildern des falschen Campingplatzes folge, gelange ich nach einer 180 Grad Kehrtwendung dann aber schließlich doch zu dem gewünschten Campingplatz. Aus Platzgründen verfügt dieser Platz allerdings über keine Hütten. Da das Wetter aber ohnehin warm und sonnig ist, habe ich nichts dagegen, wieder einmal das Zelt zu benutzen. An einem der vergangenen Tage habe ich nach langem Hin und Her auch beschlossen, ab Rovaniemi wieder ein Stück mit dem Zug nach Süden zu fahren. Ebenso problemlos wie in Norwegen, funktioniert auch in Finnland die Zugreservierung und Ticketbeschaffung. Die Mitnahme des Fahrrades stellt ebenfalls kein Problem dar. Die Stadt selbst hat wenig zu bieten. Wenn man nicht gerade auf Betonbauten im Stile der fünfziger und sechziger Jahre steht, kann man auf einen Stadtrundgang gut verzichten. An Geschäften und Restaurants läßt Rovaniemi allerdings keine Wünsche offen.
 

Polarkreis bei Rovaniemi Weihnachtsmann bei Rovaniemi 
Links: Auch St. Johann in Tirol reiht sich in die Riege der Weltstädte wie Paris und Rom ein
Rechts: Die Werkstatt des Weihnachtsmannes am Polarkreis bei Rovaniemi
 

 
 

Donnerstag, 23. Juli 1998:

Der Zug nach Tampere fährt um 13:15 Uhr ab. Ich nütze den Vormittag daher, um lange zu schlafen und gemütlich zu frühstücken. Auch in Rovaniemi reicht es aus, wenn das Fahrrad zirka 15 Minuten vor Abfahrt am Gepäckschalter abgegeben wird. Etwas Unbehagen bereitet mir allerdings die Tatsache, daß der Beamte am Gepäckschalter kaum Englisch spricht. Auf jede Frage, die ich ihm stelle, antwortet er mit einem "Jauh", was meiner Meinung nach irgendwas in Richtung "Ja" bedeuten muß. Ich nehme mal an, wenn ich ihn gefragt hätte, ob er schwul sei, hätte er sicher auch mit "Jauh" geantwortet. In der Hoffnung, daß mein Rad nicht nach Murmansk oder schlimmer geschickt wird, steige ich dann in den Zug. Bei tollem Wetter verlassen wir pünktlich den Bahnhof von Rovaniemi. Zunächst wird die Garnitur noch von einer Diesellok gezogen. In Oulo wird dann das Triebfahrzeug gegen eine Elektrolok ausgetauscht. Die knapp achtstündige Zugfahrt bis Tampere verbringe ich dann hauptsächlich mit lesen. Das Wetter wechselt während der Fahrt sehr häufig zwischen Regen und Sonne. Als ich gegen 22:00 Uhr den Zug in Tampere verlasse, haben wir blauen Himmel. Auch diesmal kann ich das Rad unbeschädigt wieder in Empfang nehmen. Die hinteren Packtaschen hatte ich der Einfachheit halber gleich am Fahrrad gelassen. Der Campingplatz von Tampere liegt etwas außerhalb des Stadtkerns, ist aber relativ leicht zu finden. In diesem Teil Finnlands trifft man dann auch kaum mehr ausländische Urlauber an. Beinahe alle Wohnmobile tragen finnische Kennzeichen. Anders als in Norwegen, ist die Benützung von Radwegen in Finnland weitaus unproblematischer. In der Regel führen finnische Radwege sogar an das gewünschte Ziel. Knapp vor 22:00 Uhr miete ich am Campingplatz von Tampere dann eine Hütte. Seit langem wird es nachts nun auch wieder dunkel. Als gegen 23:00 Uhr das Tageslicht langsam der Dunkelheit der Nacht weicht, ist das dann schon irgendwie ein komisches, weil unbekanntes Gefühl.
 
 

Freitag, 24. Juli 1998:

Um 11:30 Uhr geht es heute los. Bei sonnigem und warmen Wetter plane ich als Etappenziel einen kleinen See ein, um endlich auch schwimmen gehen zu können. Der Nachteil an größeren Städten wie Tampere ist, daß man nicht einfach drauf los fahren kann, sondern sich den Weg aus der Stadt erst einmal hart erarbeiten muß. Da die Straßennummern sämtlicher Nebenstraßen überhaupt nicht mit den Nummern meiner Straßenkarte überein stimmen, fahre ich hauptsächlich nach Gefühl. Dank der guten Wegweiser funktioniert das Fahren nach Himmelsrichtung dann auch recht gut. Gegen 15:00 Uhr miete ich auf dem Campingplatz von Valkeakoski eine gemütliche Hütte direkt am See. Das Wetter ist sonnig und sehr warm. Daher bietet sich heute erstmals die Gelegenheit zu einem Bad im See. Mit zirka 18 °C ist das Wasser zwar nicht gerade warm, zum Schwimmen ist die Temperatur aber allemal ausreichend. Da Valkeakoski hauptsächlich durch die Papierindustrie groß geworden ist, gibt es in der Stadt nicht viel zu sehen. Dafür ist das Angebot an Geschäften und Restaurants sehr vielfältig. Wie bereits in Lappland wachsen auch hier im Süden von Finnland überall unzählige Stein- und Herrenpilze. Von der Mückenplage Lapplands ist hier allerdings nichts mehr zu merken. Am späten Abend nutze ich das warme Wetter nochmals zum Schwimmen im See. Mit Einbruch der Dunkelheit geht es dann gegen 23:30 Uhr ins Bett.
 

Steinpilze in Südfinnland
Oben: Stein- und Herrenpilze wachsen in Lappland, aber auch im Süden Finnlands wie Unkraut
 

 
 

Samstag, 25. Juli 1998:

Bei anhaltend gutem, mittlerweile aber etwas bewölktem Wetter breche ich nach einem kurzen Bad im See gegen 11:30 Uhr auf. Nach einem kurzen Stück auf der verkehrsreichen E12 geht es dann wieder gemütlich auf Nebenstraßen weiter. Einzig die Straßennummern stimmen auch heute wieder überhaupt nicht mit der Karte überein. In mir erhärtet sich daher der Verdacht, daß irgendwann in den letzten Jahren die Numerierung der Nebenstraßen reformiert wurde. Obwohl meine Straßenkarte nur vier Jahre alt ist, scheint mir ein baldiger Neukauf angebracht. Für dieses Jahr werde ich aber auf jeden Fall noch mit der alten Karte Vorlieb nehmen. Bei leichtem Wind erreiche ich gegen 16:30 Uhr den Campingplatz von Tammela. Sofort als ich den Campingplatz betrete, stechen mir die gemütlichen Blockhütten direkt am See ins Auge. Da das nächstes Etappenziel Turku kaum mehr als 100 Kilometer entfernt ist und ich auch noch ausreichend Zeit zur Verfügung habe, miete ich eine dieser Hütten dann gleich für zwei Tage. Auch von Innen wird die Unterkunft allen Erwartungen gerecht. Ohne Zweifel ist das die schönste Hütte, die ich bisher hatte. Nach einer Dusche und ein bißchen Wäsche waschen, fahre ich in das zehn Kilometer entfernte Forssa. Da heute Samstag ist, haben aber bereits alle Geschäft geschlossen. Ich nehme das Abendessen daher in einer Pizzeria ein. Auf dem Weg zurück zum Campingplatz überrascht mich ein kurzer Regenschauer. Der Himmel ist in der Zwischenzeit ziemlich bewölkt und auch der Wind hat spürbar aufgefrischt. Ich verzichte daher auf ein Bad im sehr verlockend wirkenden See.
 

Blockhütte in Südfinnland
Oben: Blockhütte am Campingplatz von Tammela
 

 
 

Sonntag, 26. Juli 1998:

Der heutige Tag beginnt mit regnerischen und windigem Wetter. Als gegen Mittag der Regen aufhört, fahre ich zu einem nahe gelegenen Supermarkt um einzukaufen. Da der Regen dann aber bald wieder einsetzt, verbringe ich den Nachmittag mit Lesen. Gegen 15:00 Uhr tritt eine Wetterbesserung ein. Ich nutze den Rest des Tages daher für eine Wanderung im angrenzenden Naturschutzgebiet. Gegen 21:00 Uhr bin ich am späten Abend wieder zurück am Campingplatz. Auch heute ist das Wetter nicht warm genug, um einen das Schwimmen im See schmackhaft zu machen.
 

Landschaft in Südfinnland
Oben: Typische Landschaft in Südfinnland
 

 
 

Montag, 27. Juli 1998:

Heute steht die letzte Radetappe auf dem Programm. Das Ziel ist Turku im Südwesten Finnlands. Gegen Mittag nehme ich bei leichtem Regen die Etappe in Angriff. Die ersten zehn Kilometer bis Forssa verlaufen auf einem Radweg. Danach geht es auf der teilweise stark befahrenen N10 weiter in Richtung Turku. Bei mal mehr, mal weniger starkem Regen lege ich die letzten Kilometer bis Turku zurück. Erstmals bin ich nun auch ziemlich froh, daß sowohl meine Regenkleidung, wie auch die Packtaschen absolut wasserdicht sind. Gegen 18:30 Uhr erreiche ich schließlich Turku. Da ich die Stadt bereits aus dem Vorjahr recht gut kenne, habe ich keine größeren Schwierigkeiten, mich hier zurecht zu finden. Für 20:00 Uhr habe ich ein Treffen mit Freunden die hier in Turku wohnen vereinbart. Wegen des andauernden Regens verbringe ich die Zeit bis dahin in einer nahegelegenen Pizzeria.
 
 

Dienstag, 28. Juli 1998 - Donnerstag, 30. Juli 1998:

Diese drei Tage verbringe ich zu Besuch bei Freunden hier in Turku. Am Mittwoch ist außerdem ein Besuch in Helsinki geplant. Am Donnerstag Abend verlasse ich mit der Fähre Turku. Das Schiff der Viking-Line verläßt um 21:30 Uhr Turku und legt knapp zehn Stunden später in Stockholm an. Parallel zu den Schiffen der Viking-Line verkehren auch Schiffe der Silja-Line auf der selben Route. Eine vorherige Reservierung der Überfahrt ist auf jeden Fall erforderlich. Obwohl ich bereits zwei Tage vorher die Tickets besorge, bekomme ich nur über die Warteliste und mit etwas Glück eine Kabine. Da ich an diesem Abend jedoch sehr müde bin, verzichte ich darauf, das Schiff einer näheren Begutachtung zu unterziehen und gehe gegen Mitternacht zu Bett.
 

Dom von Helsinki Sibelius-Denkmal
Links: Senatsplatz mit dem Dom von Helsinki
Rechts: Sibelius-Denkmal in Helsinki
Mein Gastgeber Fährschiff nach Stockholm
Links: Mein Gastgeber in Turku - allerdings auf meinem Rad
Rechts: Das Fährschiff von Turku nach Stockholm kurz vor der Abfahrt
 

 
 

Freitag, 31. Juli 1998:

Für meinen Geschmack viel zu früh erreichen wir gegen 7:00 Uhr den Hafen von Stockholm. Da die Kabine keine Fenster hat, bin ich absolut ahnungslos, wie das Wetter draußen sein wird. Noch ziemlich müde packe ich meine Sachen zusammen und begebe mich zum Autodeck. Gleich nach dem Verlassen des Schiffes merke ich dann aber, daß es ziemlich heftig regnet. Bei dieser Witterung zeigt sich Stockholm nicht gerade von seiner einladenden Seite. Auf Umwegen bahne ich mir etwas mühsam den Weg ins Zentrum. Da ich keine Lust habe, im strömenden Regen die Stadt zu besichtigen, suche ich zunächst einmal einen Mc Donalds auf. Dort bleibe ich dann für eine gute Stunde und lese ein Buch. Da der Regen immer noch andauert, beschließe ich, den Busterminal zum Flughafen ausfindig zu machen. Dieses Unterfangen dauert dann aber keine fünf Minuten, da der Busterminal (Cityterminal) gleich gegenüber auf der anderen Straßenseite gelegen ist. Beim Kauf des Tickets erfahre ich, daß die Busse zum Flughafen alle zehn Minuten verkehren und die Fahrt nach Arlanda zirka vierzig Minuten dauert. Mir bleibt also bis zirka 18:00 Uhr Zeit Stockholm anzusehen, da der Flug für 20:25 Uhr geplant ist. Gegen 10:00 Uhr hört der Regen dann auf. Kaum eine Stunde später scheint bereits die Sonne vom bewölkten Himmel. Zu Mittag haben wir dann ungetrübten Sonnenschein. Noch am Morgen hatte ich von solchem Wetter nicht einmal zu träumen gewagt. Ein Pflichttermin ist sicher der Besuch des königlichen Schlosses. Aber auch sonst wartet Stockholm mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten auf. Anders als in Oslo und Helsinki reicht hier ein Tag bei weitem nicht aus, um alles zu sehen. Bei strahlend blauem Himmel verlasse ich gegen 18:00 Uhr Stockholm in Richtung Flughafen. Nach dem Einchecken bleibt noch ausreichend Zeit für ein ausgiebiges Abendessen. Diesmal fällt die Verspätung aber ziemlich heftig aus. Mit fast einer Stunde Verspätung starten wir gegen 21:15 Uhr in Richtung Wien. Ziemlich schnell wird es dann dunkel, je weiter wir in den Süden vordringen. Nach ziemlich genau zwei Stunden Flugzeit erreichen wir knapp nach 23:00 Uhr den Flughafen Wien/Schwechat. Bis das Gepäck dann endlich in Empfang genommen werden kann, ist es fast Mitternacht. Bei einsetzendem Regen verfrachte ich alles ins Auto und fahre heimwärts nach Maria Taferl.
 

Stadshuset in Stockholm Parade in Stockholm
Links: Ein Wahrzeichen Stockholms, das Stadshuset
Rechts: Parade vor dem königlichen Schloß in Stockholm
Königsschloß in Stockholm Saal im Königsschloß
Links: Eingang zum schwedischen Königsschloß
Rechts: Einer der zahlreichen prachtvollen Säle des Schlosses
Einkaufsstraße in Stockholm Rückflug nach Wien
Links: Reges Treiben in den Straßen von Stockholm
Rechts: Rückflug von Stockholm/Arlanda
 

 
 

Resümee:

Die Reisezeit von fünf Wochen war sicher nicht zu lang veranschlagt. Anders als mit dem Motorrad oder Wohnmobil, bekommt man auf dem Fahrrad sehr viel mehr von Land und Leuten mit. Mit etwas Kondition läßt sich die eben beschriebene Strecke streßfrei und ohne größere Probleme bewältigen. Auch auf Durchgangsstraßen ist der Verkehr in der Regel nicht sehr heftig. Eine baldige Wiederholung dieser Tour ist bereits beschlossene Sache und nur eine Frage der Zeit.
 
 

Links:

Motorradtour Skandinavien 1997 von Helmut Vogler

Trento Bike Pages von Andreas Caranti
Fahrrad Reiseberichte von InfoBike
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Norwegen und Lofoten von Johannes Steinbrück
 
 
 

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Erstellt am 23. August 1998
Letzte Änderung am 25. August 1998
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